Es ist meine Entscheidung ob ich glücklich sein möchte

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Mein direkter Weg zum Stall, den ich täglich mindestens zweimal fahre, führt mich durch eine idyllische Landschaft: wo der Odenwald in den Kraichgau übergeht. Die Straße dort ist ziemlich schmal und auf weiten Strecken nur einspurig zu befahren. Es gibt viele Ausweichmöglichkeiten und auch, wenn im Prinzip zwei Autos aneinander vorbei passen, ziehen es die meisten, die dort regelmäßig entlangfahren, doch vor, in der Ausweiche zu warten. Wenn viel Verkehr ist, kann es also vorkommen dass man alle fünfzig Meter am Rand steht und wartet bis der Gegenverkehr durch ist. Das kann ausgesprochen nervig sein, vor allem wenn man innerlich ein wenig in Eile ist.

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Bin ich super genervt (durch andere Gegebenheiten), fahre ich manchmal doch den weiteren Weg über „normale“ Straßen, wo nur seelenlose Ampeln für den reibungslosen Ablauf sorgen.

 

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Dennoch ist die Strasse im guten Sinne etwas Besonderes.

Denn (fast) jeder, dem man Platz gelassen hat und dem man freie Fahrt ermöglicht indem man in der Ausweiche steht, bedankt sich durch ein kurzes Handzeichen. In diesem Moment wechselt es von „nervige enge Straße“ auf „Zeit für viele Begegnungen mit Menschen“, denn man schaut sein Gegenüber an, manche nicken, manche lächeln.

Ich nehme dann die anderen nicht als Hindernis wahr, sondern als Mitmenschen, die ebenso wie ich irgendwo hin kommen wollen und sich freuen, wenn man sie möglichst reibungslos vorbei lässt, insbesondere wenn ich schon von weitem sehe dass ein oder mehrere Autos kommen und mich frühzeitig in die Ausweiche stelle, bevor mein Gegenüber festgestellt hat dass Bedarf zum Ausweichen da ist. Dann freue ich mich weil ich ihn oder sie überrascht habe  🙂

Aber es ist meine Entscheidung, ob ich mich für „Straße der Begegnung mit schöner Landschaft“ oder „super nervige Ministraße wo man ständig warten muss“ entscheide und meine Gefühlslage damit unmittelbar selbst schalten kann.
Und so ist es doch in vielen Dingen die uns im Leben begegnen. Ich kann versuchen das Positive zu sehen, oder mich auf das Negative fokussieren. Die Straße, die Autofahrer, die Ausweichstellen, sie alle ändern sich nicht und sind tagtäglich gleich. Nur meine Wahrnehmung und meine Entscheidung ändert sich.

IMG_0009Und so ist es doch auch so oft im Pferdetraining. Der Weg erscheint manchmal mühsam und mit Hindernissen.
An manchen Tagen kann ich das als
Herausforderung sehen, an anderen Tagen nervt es mich einfach nur unendlich. Wieviel leichter würde ich es mir und dem Pferd machen, wenn ich an diesen Tagen die schwierigen Sachen einfach weglassen  und einen einfachen Weg wählen würde? Wenn ich merke, meine Konzentration ist nicht besonders gut und ich bin müde. Dann muss ich vielleicht nicht gerade heute an der kniffligen Lektion arbeiten, die ich mir vorgenommen habe weil ich weiss, dass ich heute wenig verzeihlich sein kann wenn Fehler passieren.

Stattdessen kann ich vielleicht lieber einen schönen Ausritt machen, die Landschaft genießen, eine ausgiebige Putzsession einlegen oder mich einfach an die Koppel setzen und mich am Anblick meines Pferdes erfreuen.

Mirkobohila

Und wenn ich merke, dass ich das Gute in der Situation wieder finden kann, dann kann ich mit frischer Motivation wieder mein Pferd fragen ob es wieder bereit ist mit mir den holperigen Weg zu gehen, den wir gemeinsam in der Ausbildung beschreiten. An dem wir ständig innehalten müssen und uns besinnen wo wir stehen, aber auch in dem Wissen dass jede Pause ihr Gutes hat.

 

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Und wer weiss, vielleicht fange ich ja sogar an fröhlich den Passanten zuzuwinken statt mich beobachtet zu fühlen. Weil ich weiss dass jeder auf dem Weg ist. Auf seinem eigenen Weg, in seinem eigenen Tempo.

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