Gut beschirmt oder schlecht gedeckelt?

Jemand äussert auf einer Social Media Platform, dass seine Fahrräder sehr schnell rosten.
Und was man denn da tun könnte. 

5 Leute fragen wo er die Räder gekauft hat. 
4 Leute schimpfen auf die Händler von heute. 
20 Leute sagen, dass es heute eh keine Qualität mehr gibt.
2 Leute sagen dass sie eh immer Bus fahren.  
2 Leute empfehlen ein Rostschutzmittel, das ihnen sehr gut geholfen hat bei ihren Rädern. 
3 Leute sagen, dass sie kein Problem mit Rost haben. 
4 Leute empfehlen ein Fahrradforum. 
1 Mensch fragt nach wo die Räder untergebracht sind. 

Der Fragende postet folgendes Bild:

 

Nun entspannt sich eine weitere Diskussion. 

5 Leute sagen, dass sie das genauso gelöst hätten. 
4 Leute empfehlen ein Dachdeckerforum. 
2 sagen dass sie ihre Fahrräder im trockenen Keller stehen haben. 
3 Leute sagen, dass die Handwerker von Heute auch nicht mehr das sind was sie mal waren. 
6 Leute beginnen darüber zu diskutieren ob Stockschirme haltbarer sind als automatische Schirme. 
30 Leuten gefällt das. 
10 Leute schimpfen über den Klimawandel, der schuld ist dass es immer so viel regnet. 
1 Mensch empfiehlt das Dach zu reparieren. 

Die anderen finden diese Lösung zu aufwendig. Es entspannt sich eine weitere Diskussion über die richtige Leiter….

Kommt Euch das bekannt vor?

Ich meine allerdings jetzt gar nicht die Diskussionskultur in Social Media Plattformen. 

Sondern dass bei sehr vielen Problemen eher mit Schnell-Lösungen eine kurzfristige Verbesserung erreicht werden soll, aber das „Dach“ immer noch undicht ist. 

Da werden Unmengen von Tips zur schnellen Problemlösung  gegeben, die meistens nicht in Frage stellen ob hier etwas grundlegend verkehrt läuft. Unter Umständen hat das Pferd gesundheitliche Probleme (die der Fragende nicht erwähnt, weil er darüber nicht diskutieren möchte  – oder weil ihm nicht bewusst ist dass dieser Umstand vielleicht die Ursache der aktuellen Probleme sein könnten)

Alexandra Kurland sagt gerne: „Du kannst ein Problem bedenkenlos ignorieren, solange es noch ganz klein ist. Keine Sorge, es wird wachsen und irgendwann so groß werden, dass Du es nicht mehr ignorieren kannst.“

Wie oft haben wir im Alltag kleine Probleme, die doch schnell übergangen sind, weil sie ja nicht ernsthaft Schaden anrichten. Wie z.B. das Pferd, das jedesmal seit Jahren beim Hufeauskratzen den Menschen ein wenig in den Rücken knapst. Und das jedesmal mit einer Handbewegung weggescheucht wird. Das ist doch kein Problem. Das nervt nur irgendwie. 

Oder das Pferd, das beim Aufsteigen nicht ruhig steht. Oder das Pferd, das nur mit Longen beidseitig in den Hänger steigt. Geht auch ganz schnell, dauert immer nur eine halbe Stunde. Oder das Pferd, das beim Sattelauflegen die Ohren anlegt und einen hinteren Huf hebt. Das hat sicher auch nur einen schlechten Tag und mit einer Ermahnung steht es dann schon wieder „brav“. 

Und das schnappende oder rempelnde Pferd – ach, denen muss man nur Bescheid geben wo der Hammer hängt und dann können die alle brav stillstehen und sich benehmen. 
Und das Pferd das nicht gerne über die Strasse geht. Kein Problem, dann reitet man eben nicht aus. Oder das Pferd das bei Leckerliegabe schnappig wird. Nichts leichter als das, dann füttert man eben nicht aus der Hand. Oder das Pferd, das sich nicht nach links biegen kann. Aber das macht er schon immer. Das ist bei dem so. 

Aber all dies sind „Löcher im Dach“.
Es sind Trainingslücken, in die man an unvermuteten Stellen böse hineinfallen kann. Oder die einen im Laufe der weiteren Ausbildung dann doch stark behindern, so dass man dann doch nicht umhin kommt, nach der Ursache für ein Fehlverhalten oder ein Gymnastizierungs- oder Trainingsproblem zu suchen. 

Je nachdem wie lange man „den Schirm auf dem Dach hat“, kann es wirklich ein weiter Weg sein, den man zurück legen muss, um grundlegende Änderungen zu erzielen. Manchmal ist es auch noch ganz einfach und man muss nur „das Dach reparieren“. 

Bei dem schnappenden Pferd beim Hufeauskratzen reicht es vielleicht einfach, zwei Trainingseinheiten zu machen in denen man dem Pferd zeigt „Kopf geradeaus wenn ich dein Bein hochhebe“. Und dann ist das jahrelange Nervproblem auf einmal völlig verschwunden. 

Das Pferd mit dem Sattelproblem weist vielleicht auf einen nicht passenden Sattel oder einen schmerzenden Rücken hin. Hier muss man genauer hinschauen. 

Und das schnappende Pferd kann 100 Gründe haben, seinen Unmut kund zu tun. 

Lasst uns den Pferden zuhören. Und lasst uns zuhören, solange nur die „Räder rosten“. Wenn erst mal der Boden faulig ist, der Schwamm im Holz sitzt und die Hütte abgerissen werden muss oder von alleine zusammenfällt, ist es tatsächlich zu spät. 

Lasst Euch nicht mit Schnell-Lösungen für Training abspeisen, die die Ursache für ein unerwünschtes Verhalten nur zudecken und nicht dem tatsächlichen Problem auf den Grund gehen.

Fragt Eure Pferde, ob sie wirklich verstanden haben,
was Ihr denkt was sie verstehen sollen. 

In dem Sinne, viel Spaß beim Dächer reparieren. 

Eure Heike

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