Kursbericht Connected Riding mit Anke Recktenwald

 

DSC_2304Vorweg muss ich sagen dass ich wirklich froh bin den Kurs gemacht zu haben. Ich „musste“ ihn ja machen weil ich eine Übungsleiter-fortbildung brauchte, ansonsten hätte ich mir
gerade weder Raum noch Geld nehmen können.

So war es eine wunderbare Entschuldigung für ein Thema, das mich schon sehr sehr lange interessierte, aber zu dem ich bisher nie Gelegenheit hatte. Und ich bin wirklich dankbar dass die VFD solche Kurse als Fortbildungen anbietet.

Peggy Cummings, die „Erfinderin“ des „Connected Riding“ ist TTouch Practitioner Level 2 und war Gründungsmitglied der Centered Riding Organisation. Sie hat sich zeitlebens mit den Möglichkeiten beschäftigt, Pferde bestmöglich zu fördern und zu verstehen, insbesondere was das Verständnis der Biomechanik angeht. Ihre eigenen zahlreichen Erfahrungen mit der Feldenkrais-Arbeit kamen ihr dabei zugute.

Das Ziel ist ein balanciertes Pferd. Der Kern ist der balancierte Mensch. Die Basis ist, das „neutrale Becken“ zu finden, im Stand, im Gehen, im Reiten. Aus dem neutralen Becken kann der balancierte Mensch eine ganz andere, weiche Verbindung zum Pferd entwickeln, und über diese Verbindung dann wiederum das Pferd zum Entspannen veranlassen.

Die Verbindung war auch etwas das mir Sorge machte, weil es ja um „Anfassen“ geht und Mirko das derzeit nicht so toll findet.

In den ersten zwei Tagen war Mirko sehr mit dem „Außen“ beschäftigt. Wir haben auf dem Hof ja früher einmal gewohnt, und es sind zwar nur noch wenige Pferde von der Herde da, die damals bestand, aber unter den Teilnehmerpferden waren auch „bekannte Gesichter“. So war er erstmal ganz viel beschäftigt sich zu orientieren, und als dann klar war, dass sie einander erkannt hatten, konnte er sich mehr auf die Mitarbeit konzentrieren.

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„Connected“ heißt „verbunden“, und die Verbindung ist eine ganz konkrete, die aber trotzdem ganz zart und angenehm sein soll. Es wird über ein dünnes (8mm), leicht nachgiebiges Seil gearbeitet, das mit beiden Händen geführt wird.

Kontakt entsteht wenn ein Schmetterling auf einer Blume landet (Anke Recktenwald)

 

Das erinnert mich natürlich sehr an die Tai Chi Wall von Alexandra und es hat dieselbe unaufdringliche „Haltequalität“. Es ist nur noch etwas direkter, weil man immer in dieser Verbindung ist und es nicht (zumindest zu Beginn, es war ja ein Einsteigerkurs) erwünscht ist dass das Seil durchhängt. Dennoch soll der Kontakt sehr zart sein, außer in bestimmten Situationen, wo er konkreter wird, ohne jedoch „Zug“ aufzubauen.

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Weil das nicht so einfach ist, haben wir erst mal sehr viele Mensch-Mensch-Übungen gemacht, die Pferden waren nur einmal am Tag dran. Das hat auch völlig ausgereicht, da sie wirklich viel über das Geschehen nachgedacht haben. Insbesondere Mirko hat sich ständig viele und lange Denkpausen genommen, in denen er nicht mehr in der Lage war zu gehen und sicher fünf Minuten oder länger herumstand und dachte.

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Ich war ganz erfreut dass das Führen auf diese Art (nachdem ich mich in vielen Dingen korrigieren lassen musste) eine wirklich angenehme Sache war, die von Mirko auch ziemlich gut angenommen wurde. Einiges konnte ich gleich gut umsetzen, anderes fiel mir schwerer. Da Mirko ja sehr mit Sicherung beschäftigt war, und wenn er im Paddock stand sehr viel gerufen hat, war ich nicht wirklich entspannt. Erst als wir ihm Max (Shetty) dauerhaft an die Seite stellten konnte er sich wirklich entspannen. Am ersten Tag habe ich ihn deshalb auch abends nach Hause gefahren, was er dankbar annahm. Am zweiten Tag wollte er abends aber nicht heim und befand dass er jetzt auch dort übernachten könne. So stand er dann auch sehr entspannt und zufrieden in der Box und hat am dritten Tag gar nicht mehr gerufen.

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Weil er am dritten Tag so entspannt war, konnte er sich wieder unserem eigentlichen Thema widmen, d.h. das Führen funktionierte an diesem Tag einfach sofort gar nicht. Wir hatten direkt unser altbekanntes Muster wieder – Hand in der Nähe vom Halfter – und schnappen, schnappen, schnappen, schnappen, Kopf schlenkern, sich losmachen wollen, schnappen, schnappen, schnappen… Ich überließ ihn dann sehr schnell Ankes kundigen Händen und war ehrlich gesagt sehr froh, als er auch bei ihr (Geerdet, balancierter Stand, neutrales Becken, perfekte Handhabung) fast sofort das gleiche Verhalten zeigte.

Wir hatten ja im Vorfeld darüber gesprochen und dann kommt man sich ja schon doof vor wenn das Pferd einfach brav ist 🙂

Ich hatte mir schon vorher für den Tag die Kopfbandage gewünscht (mit der ich noch gar keine Erfahrung hatte) und so bekam er sie jetzt. Erst die sogenannte Denkmütze (Kopfbandage um Genick und Ohren) und dann noch eine für das Maul und das limbische System. Und dann stand Mirko sicher 10 Minuten nur da und dachte und spürte und dachte… Vielleicht waren es auch 15 Minuten. Die anderen waren schon aufgestiegen, bei uns war dann bald klar dass das heute mit dem Reiten nichts wird, da Mirko genügend beansprucht war mit Denken.

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Lernen kann man am Besten, wenn man sich ausdehnt, nicht zusammenzieht (P.C.)

 

Als er mit Denken fertig war, wollte er laufen. Und zwar außenherum, gerade. Das war deutlich zu erkennen, denn in den Tagen vorher sind wir eher viele kleinen Schlangenlinien gelaufen und ich hatte echt Mühe ihn außen Richtung Hufschlag zu bekommen. Nach einem kurzen Wackler beim Loslaufen ging er aber zügig, stabil, balanciert und munter zuversichtlich vorwärts und ich durfte ihn begleiten. Diesmal mit längerem Kontakt, also beidhändig eher wie die klassischen Zügelführung bei der Handarbeit, aber die innere Hand gut 80 cm vom Kopf entfernt, aber in Kontakt.  So sind wir dann die restliche Zeit gelaufen und ich konnte wiederum in meine Gelenke spüren und versuchen, hier weicher zu werden. Sobald ich weicher wurde und meine balancierte Haltung fand, konnte Mirko größere und raumgreifendere Schritte machen ohne eilig zu werden. Fühlte sich gut an.

Wenn zwei aufeinander treffen, die in ihrem neutralen Becken sind und die stark sind, wird es kein Gegeneinander, sondern ein gemeinsamer Tanz. (A.R.)

 

Am Samstag sind wir auch geritten. Das war auch eine schöne Erfahrung. Mein Becken war immer wieder gut aufgerichtet und wenn es das nicht war, konnte Mirko auch nicht so frei gehen. Wir haben auch dazu Mensch-Mensch Übungen gemacht die wirklich eindrücklich klar machten wie stark das nicht-neutrale Becken den Bewegungsfluss wirklich behindert.

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oben links: „gekrümmter Held“, falsche Aufrichtung (Mensch), leichtes Hohlkreuz. Vorhand ist im Vorgreifen beeinträchtigt.
oben rechts: Becken in neutraler Position. Vorhand deutlich leichter, bessere Aufrichtung.

Natürlich gab es noch eine Menge mehr Details, aber das zu erklären sprengt jetzt den Rahmen. Einfach mal selbst einen Kurs machen, es lohnt sich!

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Fazit: Eine Arbeit mit der ich mich definitiv mehr beschäftigen möchte. Ich war teilweise etwas frustriert, wie unentspannt ich zwischenzeitlich war, aber die pferdige Rückmeldung (oder die menschliche in den Übungen) war immer sehr ehrlich und direkt. Neue Feinheiten wie das „Begegnen und schmelzen“ bringen noch einmal mehr Möglichkeiten hinzufühlen und andere Ideen wie ich aktuell bestehende Spannungen auflösen kann.

Hinter jedem Verhalten steckt eine positive Absicht (A.R.)

 

Anke Recktenwald ist eine positive, sehr befähigte Kursleiterin, die unglaublich viel sieht und sehr klar und konstruktiv Rückmeldung gibt und einen dabei immer selbst Erfahrungen machen lässt. Es bleibt einem nicht erspart, selbst hinzufühlen 😉 und man bekommt viele hilfreiche Hinweise wie man die eigene Körperwahrnehmung stets verbessern kann.

Ein großer Dank auch an Sonja Schmid von den Pferdefreunden Kirchheimer Hof für die stets excellente Organsiation und gute Versorgung.
Und natürlich für das Aufpassershetty Max 😀

Zum Weiterlesen:

http://www.anke-recktenwald.de
http://connectedriding.de
http://www.pferdefreunde-kirchheimerhof.de

Fotos: Isabell Uthmann

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